Education is a Science of Relations

Erziehung beruht auf Freundschaft und Nähe, ein Kind ist durch Beziehungen inspiriert. Kinder sollen mit dem Schöpfer, den Mitmenschen und der Schöpfung in Beziehung gebracht werden.

  • Wie gestalten Sie Ihre Familienandachten? Wie können Sie das Nacherzählen etablieren?
  • Welche Personen aus der Geschichte bringen die Vergangenheit Ihren Kindern näher? Kennen Sie Bücher über das eigene Land, den eigenen Wohnort?
  • Welche Brieffreundschaften (evtl. auch im Ausland) könnten aufgebaut werden?
  • Wie können Sie Ihre Kinder besser in die Ferienplanung einbeziehen (Auswahl, Routenplanung, Reiselektüre, Besichtigungen)?
  • Welche Ausstellungen/Museen könnten Sie in der nächsten Zeit besuchen? Welche Bildbände sprechen die Kinder an?
  • Mit welchen Komponisten möchten Sie Ihre Kinder bekannt machen? Wann sind gute Gelegenheiten zum Abspielen? Welche Konzerte können besucht werden? Gibt es in Ihrer Umgebung Menschen, die von Musik begeistert sind? Wie bringen Sie Ihre Kinder in Kontakt mit diesen Leuten?
  • Mit welchen Personen anderer Nationalitäten möchten Sie Ihre Kinder bekannt machen? Planen Sie zusammen mit den Kindern Einladungen. Viele Menschen aus anderen Kulturen suchen Anschluss!
  • Wie können Sie im Alltag den Kindern die Freude an der Mathematik wecken und die Grundzusammenhänge aufzeigen? Welche Ereignisse bieten sich als Fallstudie an?
  • Welche Materialien und Lernmedien kennen Sie für Sprachen?
  • Welche Dokumentar- und Naturfilme könnten Sie zusammen mit den Kindern schauen?
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Education is a Life (3)

Aus Erfahrung in der eigenen Familie füge ich einige Hinweise zum Thema Nacherzählen hinzu:

  • Das Etablieren einer „Nacherzähl“-Kultur benötigt Zeit. Mit meinen Kindern im Vorschulalter habe ich etwa ein halbes Jahr benötigt. Meinen Mittleren habe ich z. B. in einer Zeit zu zweit erzählen lassen, wenn er von Ablenkung frei war. Zudem haben wir bei uns die Regel eingeführt, dass wir als Eltern dann weiter erzählen, wenn das Kind einen früheren Abschnitt nacherzählt hat. Allerdings verlangen wir von unseren Kindern nicht, dass sie jede Geschichte nacherzählen.
  • Es gilt die Regel: Lieber kurze Sequenzen, dafür regelmässig. Ob ein Buch „lebendig“ ist, stellt sich schnell heraus. Schon nach einer Seite ist bemerkbar, ob ein Buch die Kinder fesselt. Zudem gibt es unterschiedliche Bücher für unterschiedliche Anlässe: Bücher für Sonntage, für den Urlaub, für den Winter, für Gutenachtgeschichten.
  • Bilder können die Aussage eines Buches gut unterstützen, aber auch abschwächen, wenn sie nicht passen. Eine Faustregel: Eine gute Illustration pro Seite.
  • Rituale müssen eingeübt werden. Es gibt zwei kritische Phasen. Frühabbrecher resignieren nach einigen Tagen. Der andere kritische Punkt ist nach einem guten Buch, wenn ein neues gefunden werden muss. Zudem muss die Art des Nacherzählens immer wieder überdacht werden. Es gibt Phasen, in denen die Rollenspiele, das Zeichnen und dann wieder das reine Nacherzählen dominiert. Auswendiglernen kann ich sehr empfehlen. Ich habe auch schon Post-it verwendet, welche die Kinder an Schränken aufgeklebt haben. Um uns eine Übersicht zu schaffen, haben wir verschiedenfarbige Blätter zusammengeklebt und bearbeitet. Oder wir haben auf einer A3-Seite ein Mindmap erstellt. Zu einzelnen Themenblöcken habe ich auch schon ein Lernspiel angefertigt. Eine weitere Möglichkeiten ist die Nacherzählung nach einigen Stichworten.
  • In der Phase des Nacherzählens ist es sehr wichtig, das Kind so wenig wie möglich zu unterbrechen. Ich höre aufmerksam zu, denn das Kind gibt etwas von sich preis: Es verwendet neues Vokabular, ringt um Formulierungen, gibt innere Bilder wieder und argumentiert oft assoziativ. Gute Zuhörer sind in der Lage, später an der richtigen Stelle anzusetzen und weiter zu machen.
  • Es gilt Ausgewogenheit zu wahren zwischen Kontinuität und Abwechslung. Manchmal können es kürzere und manchmal längere Geschichten sein. Ab und an kann auch ein Buch für eine Zeit beiseite gelegt und später wieder hervorgenommen werden. Die Bücher dienen schliesslich uns und nicht umgekehrt.
  • Die gelesenen Bücher werden Teil einer gemeinsamen Erlebniswelt. Im Alltag kann gut auf Beispiele zurückgegriffen werden. Für gemeinsame Ausflüge habe ich immer ein Buch dabei. Manchmal bietet sich ein Ort mit seiner einzigartigen Kulisse geradezu zum Vorlesen an.
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Education is a Life (2)

Das Nacherzählen als Form des Lernens und Wachsens nimmt einen wichtigen Platz in Masons Unterricht ein. Dieses Erzählen ist das Fördern eines natürlichen Dranges: Das Kind will von dem, was es weiss, anderen erzählen. Es ist die Basis für neue Ideen.

Wie lässt sich dieser Ansatz umsetzen? Schaeffer Macauley gibt einige hilfreiche Hinweise:

  • Das Kind braucht Bücher, die literarische Kraft besitzen. 
  • Diese Bücher werden zuerst von den Eltern, später wechselseitig vorgelesen. Kinder erhalten dadurch Übung im Lautlesen.
  • Auch Gedichte gehören zum Lesestoff.
  • Nach einer Geschichte erzählt das Kind mit eigenen Worten das soeben Gehörte.

Für die Wiedergabe gibt es verschiedene Varianten: Nacherzählen, einen Bericht verfassen, ein Rollenspiel machen, ein Bild malen oder sogar eine Aufführung inszenieren.

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Education Is a Life (1)

Kinder wollen mit den besten Ideen versorgt sein.

  • Mit welchen anregenden Ideen (Bilder, Bücher, Musikstücke) versorgen Sie Ihre Kinder? Woher holen Sie neue Ideen? Was sind ergiebige Quellen?
  • Lebendige Bücher versorgen mit guten Ideen. Welche Vorlesebücher haben Sie auf Vorrat? Kennen Sie Bücherlisten? Wen könnten Sie nach guten Büchern fragen?
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Education is a Discipline (2)

Zur Disziplin gehört auch die Selbstdisziplin der Eltern. Karen Andreola gibt uns Einblick in ihre Planung eines Semesters. Sie gibt sich Rechenschaft über folgende Fragen ab:

  • Wie entwickelt sich die Gewohnheit der Aufmerksamkeit?
  • Wie entwickelt sich die Atmosphäre im Haus?
  • Welche (neue) Literatur kann ich einführen?
  • Wie und wo plane ich Erholung und Ruhe ein?
  • Wo kann ich in der Haushaltsführung sanfte Änderungen einleiten?
  • Wie kann ich die Kinder bestätigen?
  • Was ist der Schwerpunkt meiner eigenen Charakterentwicklung?
  • Wann und wie verbringe ich mit dem Ehepartner Zeit?
  • Wann und wie verbringe ich Zeit alleine?
  • Welche Ideen für gesunde Ernährung und Lebensführung habe ich?
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Education is a Discipline (1)

Ein wichtiges Element ist das Entwickeln von Gewohnheiten. Gewohnheiten zu etablieren braucht Zeit. Karen Andreola spricht in ihrem ausgezeichneten Handbuch vom „Glück der Gewohnheit“.  Sie gibt den Hinweis, immer nur eine Gewohnheit aufs Mal einzuüben. Und: Oft gebe man kurz vor dem Durchbruch auf! Besser als ständiges Nörgeln ist eine Anleitung durch positive Ideen.

  • Welche Gewohnheiten bilden Sie indirekt am stärksten aus? Wie können Sie Defizite angehen?
  • Wie sorgen Sie dafür, die gleichen Gewohnheiten in Ihrem Leben zu entwickeln? Woran werden die Kinder den Fortschritt bei Ihnen erkennen?
  • In welchen Bereichen stehen Sie möglicherweise kurz vor dem Durchbruch? Kennen Sie Momente, in denen Sie zu früh abgebrochen haben? Was ermutigt Sie zum Durchhalten?
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Education is an Atmosphere

Die Atmosphäre, in der ein Kind unbewusst seine Ideen entwickelt, ist ein zentraler Bestandteil des Lernprozesses. Die gedankliche Umgebung prägt.

  • Wie würden Sie die Atmosphäre Ihrer Familie beschreiben? Lassen Sie Ihre Freunde die Atmosphäre in Ihrer Familie beschreiben!
  • Körperliche Zuwendung gehört zur Atmosphäre. Wie pflegen Sie diese Art von Zuwendung?
  • Welche Regeln gelten bezüglich Manieren und Anstand? Wer hat sie definiert? Wie begründen Sie diese gegenüber den Kindern?
  • Wie vermeiden Sie ständiges Nörgeln und Kritisieren?
  • Destruktiver Streit unter den Kindern zerstört langfristig die Familienbande. Was unternehmen Sie, um eine konstruktive Konfliktkultur zu etablieren? Welche Rituale pflegt ihr zur Konfliktlösung? Kennen Sie das Vergeben – auch als Eltern den Kindern gegenüber?
  • Wie können Sie Ihre Kinder zu Verzicht zugunsten anderer anleiten und anregen, ohne Zwang auszuüben?
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Die Erziehungsphilosophie

Abgeleitet von dieser Grundsicht des Menschen entwickelte Mason die eigentliche Erziehungsphilosophie, die sich aus vier Elementen zusammensetzt:

  1. Education is an Atmosphere (relationale Dimension): Die Atmosphäre ist Grundvoraussetzung zum Lernen.
  2. Education is a Discipline (physiologische Dimension): Der Charakter wird durch die Entwicklung guter Gewohnheiten geformt.
  3. Education is a Life (spirituelle Dimension): Der Geist des Kindes ist ein lebendiger Organismus, der Ideen aus jedem Lebensbereich aufnimmt und verarbeitet.
  4. Education is a Science of Relations: Als geschaffenes Wesen steht das Kind in einem Netz von Beziehungen zu Dingen, Gedanken und Menschen.
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Stärkende Einflüsse

Die Persönlichkeit des Kindes kann durch verschiedene Einflüsse gestärkt werden, nämlich durch

  • Lernumgebung: Einen geordneten, anmutenden Lernraum (physisch); eine unterstützende Atmosphäre, die Schutz und Herausforderung in der Balance hält (emotional); durch ein breites Curriculum als „Futter“ für den Geist (kognitiv).
  • Verantwortung des Kindes: Es steht unter der Autorität Gottes. Dies spiegelt sich in Gehorsam und Belehrbarkeit wider. Das Kind reflektiert seine körperlichen und geistigen Gewohnheiten und etabliert eine Liebe zu lebendigen Büchern.
  • Verantwortung der Lehrperson: Diese bietet ein breites Curriculum an, vermeidet Manipulation und andere Formen des Missbrauchs ihrer Autorität und sorgt für das Training von Geist und Körper. Und sie kultiviert dieselben Gewohnheiten in ihrem eigenen Leben!

(“Lehrperson” kann hier durch “Eltern” ersetzt werden.)

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Eine Bildungs- und Erziehungsphilosophie von gestern für morgen

Charlotte Mason (1842-1923), englische Pädagogin, gründet ihre Bildungsphilosophie auf dem christlichen Glauben und auf ihrem lebenslangen Engagement im Unterrichten von Kindern und in der Lehrerausbildung. Sie sieht den Menschen im Spannungsfeld zwischen seinem immensen Potenzial, das ihm durch seine Erschaffung im Ebenbild Gottes gegeben ist, und den Grenzen, die ihm durch seine Hinfälligkeit und Sünde auferlegt sind. Aufmerksamkeit und Neugierde sind ebenso vorhanden wie Ignoranz und Ungehorsam. Mason sieht das Kind demnach weder als passives Objekt (wie es ihre Zeit damals vorwiegend gesehen hat) noch als Nummer in einer Kultur, in der – wie heute – vorwiegend die Leistung zählt.

Zur Schaffenszeit von Mason (zwischen 1880 und 1930) war eine intensive Diskussion über Methoden und Ziele in der Pädagogik im Gange war – heute als Epoche der Reformpädagogik bekannt. Mason platziert sich weder in der Ecke von „progressiven Schulen“ noch auf der Seite der privilegierten Minderheit, die damals üblicherweise eine klassische Ausbildung erhielt. Angesichts der Schere, die sich heute auch in den reichen westlichen Ländern auftut, hat Mason an Aktualität gewonnen. Die Vorstellung der Philosophie verknüpfe ich jeweils mit konkreten Fragen.

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